Sdui auf der #excitingedu 2018

Vom 14.-16.11.18 war Sdui auf dem #excitingedu Kongress im Zeiss-Großplanetarium Berlin vertreten. Mit rund 400 Lehrkräften, Schulträgern, Fachbereichsleitern und weiteren schulischen Entscheidern stand die Veranstaltung im Zeichen der digitalen Bildung im 21. Jahrhundert.

Der Kongress drehte sich um Themen wie Datenschutz, Digitale Infrastruktur und Medienentwicklungspläne. Dazu gab es zahlreiche Workshops und Vorträge – unter anderem von Dr. Christian Büttner, dem Vorstand des Bündnis für Bildung und Leiter für IT-Strategie für Nürnberger Schulen.

Neben Sdui waren einige weitere Unternehmer der Bildungsbranche vor Ort, darunter auch Vertreter von Apple, Microsoft und CANCOM.

Besonderes Interesse an Sdui gab es seitens einiger Schulträger und Kommunen, die eine schulübergreifende Lösung zur Digitalisierung suchen.

Wir sind dankbar für alle Begegnungen und freuen uns auf die #excitingedu im nächsten Jahr.

ISB beteiligt sich an Sdui aus Koblenz

Start-up setzt Digitalisierung auf den Stundenplan

Allen Rufen nach mehr digitaler Bildung zum Trotz gelten Handys in vielen Schulen in erster Linie als Störfaktoren. Sdui aus Koblenz zeigt, dass es auch anders geht: Die App bringt Lehrern wie Schülern die Schulverwaltung in Echtzeit aufs Smartphone und überzeugte damit die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) davon, sich über ihre Tochtergesellschaften, die Venture-Capital Mittelrhein Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH und die Wagnisfinanzierungsgesellschaft für Technologieförderung Rheinland-Pfalz GmbH (WFT) aus Mitteln des Innovationsfonds Rheinland-Pfalz II an dem aufstrebenden Start-up aus Koblenz zu beteiligen.

Gründer und Geschäftsführer Daniel Zacharias hat die Schulbank selbst erst kürzlich hinter sich gelassen, den ersten Prototyp der Applikation entwickelte er im Rahmen des Schülerwettbewerbs „Jugend forscht“. Das Programm, das die automatische Synchronisation von Stunden- und Vertretungsplänen ebenso wie den datensicheren Versand von Mitteilungen, Informationen und Dokumenten ermöglicht, bündelt eine ganze Reihe von Funktionen, ohne auf E-Mailadressen und das private Dateisystem der Nutzer zuzugreifen. Da die Schule die jährlichen Gebühren zahlt, entstehen keine Kosten für Lehrer und Schüler.

„Ob bei der Arbeit, dem Lesen, Autofahren oder Sport: Alle Bereiche des Lebens werden zunehmend digitalisiert, weswegen die ISB als Förderbank des Landes technologieorientierten Maßnahmen und Start-ups besondere Aufmerksamkeit schenkt. In Schulen jedoch ist das Thema oft nur in Form des Smartphones in der Hosentasche vertreten, sofern dieses im Schulhaus nicht sogar ganz verboten ist. Sdui schafft es, Digitalisierung für Schulen einfacher zu gestalten und neue, sichere Kommunikationswege zu schaffen “, begründet Brigitte Herrmann, Leiterin des Bereichs Venture Capital, das Engagement der ISB.

Auch Daniel Zacharias freut sich darauf, die Digitalisierung der Schulverwaltung gemeinsam mit der ISB voranzubringen: „Vor zwei Jahren war ich selbst noch Schüler und ärgerte mich tagein, tagaus über schlechte Kommunikation und Informationsweiterleitung in der Schule. Heute arbeite ich mit meinem Team daran, diesen Missstand für möglichst viele Schüler zu beheben. Dank der Zusammenarbeit mit der ISB ist es uns nun möglich, weiter daran zu arbeiten, dass Digitalisierung und Zukunftsorientierung an deutschen Schulen immer präsenter werden. Wir freuen uns darauf, unsere Software weiter zu entwickeln und immer besser darin zu werden, Kommunikation zu vereinfachen.“

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Diese Gründer wollen nach dem Abitur zurück an die Schule

Diese Gründer wollen nach dem Abitur zurück an die Schule

Junge Gründer kennen die Probleme des deutschen Bildungswesens hautnah. Statt sie im Berufsleben hinter sich zu lassen, beschäftigen sie sich nun wieder mit Schulthemen. Ihre App soll das Leben vieler Schüler besser machen.

Die besten Ideen für Unternehmen entstehen oft aus alltäglichen Problemen. Bei Bildungs-Start-ups gilt das vermutlich noch mehr als bei anderen Unternehmen. Die Gründer sind oft jung, manche gründen schon während der Schulzeit. Sie haben die Probleme am eigenen Leib erfahren, die sie lösen wollen.

Daniel Zacharias’ Problem beginnt am Morgen eines gewöhnlichen Schultages. Der Gründer, damals noch Schüler in Koblenz, läuft morgens zum Bus, fährt zur Schule und bemerkt dort, dass die ersten Stunden entfallen. Alltag für viele Schüler, aber Zacharias hat damals die Idee für eine App, die diese überflüssigen Wege künftig wegfallen lässt. Mit seinen zwei ehemaligen Mitschülern Jan Micha Kroll und René Meyenburg baut er eine Software, die automatisch den Vertretungsplan an die Handys der Schüler schickt. Der Schulleiter lässt sie ihr Projekt umsetzen. Drei Monate später steht ein erster Prototyp, nach neun Monaten die erste fertige App. Zwar zeigt sie nur einen Stundenplan als PDF an, doch die Idee funktioniert.

Heute, drei Jahre nach dem ersten Prototyp, sitzt Gründer Zacharias auf einer Bank eines Cafés am Berliner Alexanderplatz. In die Hauptstadt locken ihn ein Wettbewerb des German Accelerators und Gespräche mit möglichen Geschäftspartnern. Denn sein Start-up Sdui bietet schon lange nicht mehr nur einen digitalen Vertretungsplan an, sondern arbeitet an der kompletten Digitalisierung der Schulverwaltung. Sein Ziel: Ein Komplettpaket für Bildungsstätten anbieten, damit ihre Organisation endlich digital und damit praktischer für Schüler und Lehrer wird.

 

Warum sollten Schulen Sdui nutzen?

Deshalb zeigt die App nicht mehr nur den Stundenplan an. Sie lässt nun Lehrer mit Schülern und Eltern kommunizieren, Präsentationen und Arbeitsblätter können hochgeladen werden, und auch das aktuelle Kantinenessen wird angezeigt. Für all diese Aufgaben haben Unternehmen schon vor Sdui Lösungen gefunden. Gründer Daniel Zacharias und sein Team wollen aber die Ersten sein, die ein, wie sie es nennen, „benutzerfreundliches Komplettpaket“ anbieten. „Schulen haben keinen Nerv dafür, eine Handvoll verschiedene Apps zu nutzen. Es braucht zentrale Wege“, sagt Zacharias. Man wolle „das Fundament für die Digitalisierung der Schulen“ bauen. Daran arbeiten nicht mehr nur die drei Schulfreunde, das Team ist auf elf Personen angewachsen.

Doch wenn Schulen nicht gerne ihre Software wechseln, warum sollten sie dann Sdui nutzen? Gründer Zacharias setzt darauf, dass ihre Zielgruppe lieber auf Komplettpakete setzt: „Wir können so gut wie alle Funktionen, die andere bieten, auch liefern – und das in einer All-in-one-Lösung.“

Aktuell können die Schulen die Software auch nur in einem Komplettpaket kaufen. Das Bildungs-Start-up arbeitet aber daran, das System modular aufzubauen und in Zukunft auch einzelne Teile anzubieten. Im Moment konzentriert sich Sdui allerdings erst einmal darauf, per Schnittstelle Programme anderer Anbieter in ihr System zu integrieren. So können Schulen, die mit einem Programm für einen bestimmten Aufgabenbereich zufrieden sind, trotzdem alles unter dem Dach der Sdui-App nutzen.

 

„Das direkte ‚face to face‘ unschlagbar“

Digitalisierung der Schulorganisation, das klingt nach einer lukrativen Idee. Doch wie groß ist der Markt dafür tatsächlich? Ralf Lankau ist Professor für Mediengestaltung und Medientheorie an der Hochschule Offenburg. Er ist der Meinung: „In der Schulorganisation kann durch Software vieles abgebildet werden, was vorher analog gemacht wurde – etwa Stundenpläne, Vertretungen oder die Jahresplanung.“ Man sollte allerdings nicht vergessen, dass die Organisation auch ohne Software funktionieren würde.

Wenn es um die Kommunikation über digitale Kanäle geht, will Lankau differenzieren: „Bei einigen Aufgaben ist die Digitalisierung möglicherweise hilfreich, etwa der Organisation per Mail-Verteiler oder Infos zu Stundenplanänderungen.“ Bei der zwischenmenschlichen Kommunikation würden hingegen digitale Kanäle nicht helfen. „Gerade in der Schule ist das direkte ‚face to face‘ unschlagbar“, sagt Lankau.

Man müsse sich allerdings generell die Frage stellen, wie Menschen an Informationen kommen, die sich bewusst gegen ein Smartphone, Tablet oder ähnliche Geräte entscheiden. „Es geht darum, auch diese Leute mitzunehmen – Lehrer sowie Schüler“, so Gründer Zacharias. Deshalb könnten Nutzer die Inhalte der App auch per Computer einsehen. Schulen hätten außerdem noch weitere Möglichkeiten wie digitale Schwarze Bretter, um jeden Schüler zu informieren.

Mittlerweile nutzen Schulen in mehreren Bundesländern Sdui – ein sehr hoher Anteil der Schüler würde laut Unternehmensangaben die App regelmäßig aufrufen. Sdui spricht von fast 50.000 Nutzern. Doch für den großen Durchbruch muss die App flächendeckender zum Einsatz kommen. Aktuell führe man in Solingen ein stadtweites Pilotprojekt durch, so Zacharias. Außerdem würden erste Gespräche mit dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium geführt.

„Im Jahr günstiger als eine Butterbrezel“

Eine Schule, die schon seit dem Frühling Sdui nutzt, ist die Hildegardisschule in Rüdesheim. Schulleiter Thomas Nestler hat nach einer Pilotphase nun für seine rund 600 Schüler und 40 Lehrer die App für drei Jahre gekauft. Nestler sieht Sdui als Alternative zum Mailaustausch zwischen Lehrern und Schülern. „Die Schüler schreiben keine Mails mehr, und der Vorteil der App ist vor allem, dass die Kommunikation für allgemeine Informationen auch nur in eine Richtung gehen kann“, so der Schulleiter. Er sei bisher zufrieden.

Doch für das Bildungs-Start-up bleibt ein Problem: Junge Unternehmen dieser Art verdienen kaum Geld. Die App der drei Gründer kostet die Schulen für die Einrichtung einmalig 500 Euro und jährlich 1,45 Euro pro Schüler und Lehrer. Man sei „bei der Einrichtung günstiger als ein Klempner, im Jahr günstiger als eine Butterbrezel“. Der Lieblingsslogan von Gründer Zacharias.

Reich wird man damit vor allem zum Anfang nicht, im Zweifel deckt man so nicht mal seine laufenden Kosten. Sdui hat sich deswegen als zweites Standbein eine Werbeagentur aufgebaut, die von der Visitenkarte bis zur Musikproduktion alles herstellen kann. Der eigentliche Fokus liege aber auf der Bildungssparte. Deswegen soll die Agentur nun ausgelagert werden, denn Sdui wächst. Laut eigenen Angaben stieg der Umsatz zuletzt auf monatlich 20.000 Euro, kürzlich habe ein Investor einen sechsstelligen Betrag in das Start-up gesteckt.

 

Leben von notorisch klammen Schulen?

Aber wie will man sich als junges Unternehmen durch notorisch klamme Schulen finanzieren? Gründer Zacharias könnte sich vorstellen, personalisierte Jobangebote für Schüler über die App auszuspielen. „Ich bin der Überzeugung, dass digitale Infrastruktur in Schulen erst der Anfang ist“, so der Gründer. Man arbeite bereits an einer Nachhilfekartei und habe Partner aus dem Bereich des digitalen Lernens.

Doch das ist Zukunftsmusik. Das Ziel ist erst einmal, als der Anbieter wahrgenommen zu werden, der die Organisation von Schulen digitalisiert. Vielleicht werden Schüler also bald nicht mehr morgens zur Schule fahren, nur um dann vom Unterrichtsausfall zu erfahren. Ob Sdui die Mitbewerber auf dem Markt verdrängt oder sich ein anderes Unternehmen durchsetzt, ist unklar. Doch dass sich junge Menschen Gedanken über die Schule der Zukunft machen, ist auf jeden Fall wünschenswert.

 

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Interview mit jüngstem Startup-Gründer Koblenz

von koblenz-digital

Unternehmen sollten an ihrer Leistung gemessen werden, nicht am Alter der Gründer

Interview mit dem jüngsten Startup-Gründer von Koblenz: Daniel Zacharias

 

Daniel Zacharias lernte ich beim Workshop im Druckhaus der Rhein-Zeitung kennen. Über die Veranstaltung zum Thema Digitalisierung und Zukunft habe ich hier bereits gebloggt. Zacharias zog als Stimme junger Unternehmensgründer in der Podiumsdiskussion die Blicke auf sich. Sein Startup hat eine App für Schulen entwickelt. Im Bereich Bildung sei es jedoch sehr schwierig an Investoren zu kommen, da die Politik Innovationen an Schulen nicht fördere, erklärte er. Die Ausführungen des engagierten 20-jährigen klangen interessant. Wir kamen ins Gespräch und verabredeten uns wenige Wochen später zum Interview. Treffpunkt waren die Büros der Sdui GmbH im Technologiezentrum Koblenz (TZK).

 

Daniel, wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Daniel Zacharias, ich bin Gründer und Geschäftsführer von Sdui und möchte den Bildungsbereich revolutionieren.

Wir (gemeint ist das Sdui-Team) haben uns bereits als Schüler gefragt: Wo hakt es denn? Überall liest und hört man von Digitalisierung hier, Digitalisierung da. Aber der Endnutzer Schule steht vor dem Thema und weiß nicht, was er tun kann. Unser Anliegen ist daher, die ohnehin stattfindende Digitalisierung der Gesellschaft mit dem veralteten System Bildung zusammenzubringen.

 

Im Workshop der Rhein-Zeitung und IT.Stadt hast du auf der Bühne erzählt, dass du dich als Schüler oft über den Vertretungsplan geärgert hast. Warum?

Wir hatten teilweise einen langen Weg zur Schule und ärgerten uns, wenn wir uns früh aus dem Bett geschleppt und auf den Weg gemacht hatten, aber dann in der Schule feststellen mussten, dass die ersten beiden Stunden ausfielen. Entweder man akzeptiert das, dann darf man nicht meckern oder man meckert und lässt sich etwas einfallen. Das ist unsere Entstehungsgeschichte.

 

Wie kann man sich das vorstellen? Als Schüler wart ihr unzufrieden, du und ..?

Zwei Freunde. Jan Micha Kroll, der eine Klassenstufe unter mir war und René Meyenburg – zwar von einer anderen Schule, aber mit dem gleichen Problem.

 

Wie alt wart ihr, als es losging?

Ich war 19 und hatte gerade mein Abitur beendet. René machte zu dieser Zeit seine Ausbildung und Jan Micha ging noch zur Schule, um sein Abi zu beenden.

 

Und da dachtet ihr, es wäre nicht schlecht mal was Neues zu starten?

Tatsächlich entstand der Drang dazu durch „Jugend forscht“. 2016 haben wir daran teilgenommen und dort unsere App für digitale Vertretungspläne vorgestellt. Jeder Schulleiter, Lehrer und Schüler, der an unseren Stand kam, sagte: „Hey, das ist genau das Problem, das wir an unserer Schule haben!“ In unserer App ging es damals darum, die Informationen der Schule zu bündeln, zu personalisieren und digital an die Schülerschaft zu senden, damit jeder vorzeitig wusste, dass beispielsweise die erste Stunde ausfällt. Die erste Version des Produktes war fertig. Das war Sdui.

 

Das heißt, ihr habt das alles selbst programmiert als Schüler?

Ja genau. Bei mir waren es jedoch nur die Grundlagen der Programmierung. Ich habe danach eher Geschäftsführungsaufgaben übernommen. René kümmerte sich wegen der Ausbildung eher um die Server und Jan ist unser absoluter Programmierspezialist.

 

Was habt ihr euch selbst beigebracht? Welche Programmiersprachen?

Ich war damals nur für den Native-Teil und das Design da. Das heißt, ich habe die ganzen Designs gemacht, Swift-Programmierung. Unser Experte sitzt hinten (im Büro nebenan), der kann, glaube ich, alles. PHP, Java Script, SQL usw. Ich konnte nur CSS und HTML, aber er hat Frontend und Backend komplett gebaut. Unser dritter Kollege ist ein Server-Experte. Wir haben ja ein Cloudbased Communicationtool. Und wir sind alle gute Grafiker. Also, alles selbst programmiert, zu Jugend forscht gegangen, festgestellt, es kommt gut an.

 

Ihr habt Glück gehabt, dass ihr euch so perfekt zusammengefunden habt.

Stimmt. Wir kennen uns inzwischen seit etwa 10 Jahren. Aber ja, wir dachten uns, wir müssten mal etwas aus dieser Kombination machen.

Und wenn du so ein Projekt machst, kannst du nur deine eigene Schule verändern. Durch Jugend forscht haben wir gemerkt, es interessiert mehr als nur eine Schule. Deshalb haben wir überlegt, dass es nicht schlecht wäre eine Firma daraus zu machen und mehr Schulen zu erreichen.

 

Wer ein wenig recherchiert, findet Namen wie „Pando Ventures“ in deinem Profil. Was bedeutet das?

Gut recherchiert. Vermutlich LinkedIn, stimmt´s? Pando Ventures ist der Accelerator*, den wir durchlaufen haben. Wir haben am 17. August 2017 gegründet. Als UG bekamen wir Panik, dass wir die Gründungskosten nicht stemmen würden. Das hat zwar mit unserem eigenen Geld doch noch geklappt, aber dennoch wussten wir nicht, wie wir unser Produkt vermarkten sollten. Deshalb haben wir Unterstützung gesucht. Ausgerechnet erst am Tag vor Anmeldeschluss haben wir uns bei Pando Ventures Accelerator beworben. Das war der 30. August 2017. Am nächsten Tag haben wir um 2:56 Uhr die Zusage bekommen. Es war schon komisch für mich zu sehen, okay, die arbeiten auch nachts.

 

Und wie ging es weiter?

Am nächsten Morgen mussten wir dorthin fahren. Ich glaube, um 10 Uhr war das. Auf der Fahrt erhielt ich die Nachricht „Bringt mal euren Pitch mit“. Das Schlimmste war, ich wusste nicht einmal, was das ist! Also schnell gegoogelt und auf dem Weg nach Wiesbaden eine Präsentation erstellt. Wir kamen dort an, haben alles vorgetragen und wurden aus über 100 Startups ausgewählt für den zweiten Bench. Das bedeutet, wir durften uns mit Pando Ventures Fragen nähern, die mit dem Markt zu tun haben. Was ist der Markt? Was müssten wir tun? Wir bekamen zahlreiche Tipps und Coachings. Bis Dezember 2017 bauten wir unser Produkt gemeinsam weiter auf. Sie sind bis heute ein sehr wichtiger, strategischer Partner für uns.

 

Also sind Accelerator besonders wichtig für Startups?

Ja. Für uns war das wichtig. Denn wir wussten nicht, wie wir das Ding auf den Markt bringen sollten. Ich glaube, ein Accelerator hilft wenig bei der Produktentwicklung. Es geht vielmehr darum, ein Produkt weiter zu definieren und zu schauen, wo der Markt ist. Auch mediale Unterstützung durch das Netzwerk der Accelerator bringt viel. Zum einen ist ein Netzwerk da, zum anderen Expertise in der Investition und drittens ein Gespür für den Markt. Für uns war es essentiell, dass sie uns aufgenommen und gepusht haben.

 

Was bedeutete das für euch persönlich?

Wir sind damals aus dem Westerwald nach Wiesbaden gezogen und haben eine zeitlang in Airbnb-Unterkünften gelebt. Das war komisch. Teilweise wohnten wir alle in einem Zimmer. Als die Sommerferien vorbei waren, mussten die anderen immer wieder zurück zur Schule. Ich hatte zum Glück das Abi schon. Weiterhin haben wir etwa einen Monat lang 12 bis 14 Stunden am Tag aktiv an unserem Produkt gearbeitet. Seitdem fahren wir ein bis zweimal die Woche noch nach Wiesbaden und erhalten dort Coachings. Das ist strategisch sehr sinnvoll.

 

Toll, diese Unterstützung zu bekommen.

Ja! Und das ist das, was auch Koblenz braucht. Eine Firma, die sagt: Wir unterstützen Startups. Es geht nicht um Geld, sondern um wichtige Netzwerk-Kontakte und Experten, die einen mit ihrem Wissen unterstützen. Denn wer selbst schon das alles erlebt hat, kennt die Tücken und Fehler. Wir müssen aber nicht die Fehler anderer wiederholen. Deshalb ist es gut, wenn jemand die Erfahrung mit einem teilt.

Man bekommt Panik, wenn man keinen Studien- oder Ausbildungsabschluss hat. Da muss man etwas haben, das funktioniert.

 

Euer Team ist nicht gerade klein für ein junges Unternehmen. Was genau macht ihr hier?

Jetzt gerade sitzen im Büro nebenan zwei Programmierer, unser Chef für Userinterface und Userexperience sowie der Netzwerk-Experte. Dann haben wir natürlich einen Marketing-Chef, der sich auch um Social Media kümmert.

Als Startup musst du dir alles, auch die Unternehmenskultur, aufbauen. Wo sind unsere Werte? Wie lauten unsere Leitlinien? Stichwort Styleguide. Wir haben einen Business-Developer und einen im Support. Es kommen jeden Tag Anfragen, zum Beispiel, wenn jemand sein Passwort vergessen hat. Darum muss sich der Support kümmern. Zuletzt haben wir einen Vertriebler, der heute – wie meist – unterwegs ist. Und auch ich mache im Vertrieb mit. Wir versuchen mehr Schulen zu gewinnen.

Die Programmierer sind mit dem Launch unseres neuen Updates beschäftigt, das wir im Mai rausbringen. Der Markt ist im Moment super schnell. Das heißt, du musst in kürzester Zeit die neusten Features auf den Markt bringen und deine Features automatisieren bis ins letzte Detail. Denn auch Schulleiter wollen weniger zusätzliche Arbeit. Für uns ist es entscheidend, Prozesse in Schulen zu vereinfachen und schneller zu machen. Nicht mehr Aufwand, sondern Mehrwert.

 

An welcher Funktion arbeitet ihr gerade?

Als ein neues Feature kommt beispielsweise der Elternmodus. Damit werden Krankmeldungen und Elternbriefbestätigungen mit einem Klick durch die Eltern möglich sein. Kennst du diese kleinen Zettel, die Eltern immer rausschneiden und unterschreiben müssen, als Beleg dafür, dass sie den Elternbrief gelesen haben? Endlich werden sie nicht mehr schnippeln müssen. Wir wollen eine Lösung von der Grundschule bis zur Uni sein.

 

Handelt es sich bei euren bisherigen Kunden um Koblenzer Schulen?

Nein, die fehlen noch. Es sind bisher Schulen aus der Region um Koblenz herum. Wir sind aber mit vielen Koblenzer Schulen im Gespräch.

 

Bei euch hat sich das alles dank Jugend forscht entwickelt. Sollte der Schulunterricht, deiner Meinung nach, anders aussehen?

Ja!

 

Ich stelle die Frage, weil ihr aus der Schule heraus mit einer innovativen Idee gestartet habt.

Und ich glaube, der Punkt, warum das gelungen ist, ist die Unterstützung von extern. Unsere Familien haben uns sehr gefördert, haben viel getragen. Accelerator wie Pando oder auch Unternehmensberater ebenfalls. Von der ersten Sekunde an hatten wir einen sehr guten Unternehmensberater, den wir über unsere Familie gut kannten. Er hat uns gepusht.

 

Unter den genannten Förderern kam die Schule nicht vor.

Stimmt, denn in der Schule entsteht nur viel Förderung, wenn man sehr gute Lehrer hat. Das ist eine Voraussetzung. Wir hatten einen Lehrer, der sich wirklich stark für uns engagiert hat. Er kam und fragte: Was kann man noch tun? Wie können wir euch unterstützen? Auch der stellvertretende Schulleiter machte sich beispielsweise Gedanken ums Sponsoring. Mehrere Lehrer zeigten Einsatz.

 

Das heißt, über den regulären Unterricht hinaus?

Ja, genau. Das waren Extraleistungen. Und da liegt das Problem. Das ist, was oft fehlt.

 

Was waren das denn für Lehrer – ohnehin begeisterte Informatiker?

Einer ja, andere nicht. Es war ganz unterschiedlich. Viele der Lehrer unterstützen uns übrigens bis heute.

Ich bin sehr froh darüber, dass Leute ihre Extrameile gehen und uns über den gewöhnlichen Unterricht hinaus fördern. Was sehr wenig geschieht, ist Förderung im Unterricht. Vermutlich gibt es deshalb so wenige Startups, die direkt nach der Schule gegründet werden.

 

Wie könnte denn bessere schulische Bildung aussehen?

Wie sie aussehen könnte? Schauen wir uns zunächst die Gesellschaft an. Seit einiger Zeit heißt es, alle müssten programmieren lernen. Gleichzeitig entwickeln wir eine künstliche Intelligenz, die selbst programmieren kann. Für viele ist das Ziel, alles zu automatisieren. Wenn wir weiterhin nur dabei bleiben, programmieren zu lernen oder zu lernen, wie man Maschinen bedient und Dinge einfach ausführt, dann entwickeln wir eine Generation, die nur aus dem Zweck heraus Arbeiter sind. Sie kriegen einen Zweck und müssen ihn abarbeiten. Ich glaube, uns fehlt Kreativität. Wir müssen uns mehr entfalten. Ganz ehrlich? In meinen Augen müssten die wichtigsten Schulfächer so wie Kunst und Musik sein. Die Fächer, in denen wir lernen uns kreative Gedanken zu machen. Wir müssten uns fragen: Was braucht die Welt? Aktuell lernen wir an Schulen und Universitäten immer noch vieles, das wir nie brauchen werden. Vergessen wir jetzt mal einzelne Fächer. Wichtig wäre projektbezogenes Arbeiten. Bitte die Wirtschaft mehr in Schulen reinnehmen.

Wir hatten kürzlich eine Einladung ins Schloss Hanseberg, ein Internat bei Frankfurt. Dort durften wir einen Tag lang von Startups berichten. Es gibt auch Projekte wie „Business at School“. Der Punkt ist, Schüler selbst etwas kreieren zu lassen. Dabei wächst man nämlich am meisten: wenn man selber etwas erschafft!

 

Das scheint dir am Herzen zu liegen.

Eindeutig ja. Lasst uns mehr erfolgreiche Unternehmen mit in den Unterricht bringen und Projekte gemeinsam machen. Das fehlt. Da ist so eine große Lücke zwischen Bildung und Wirtschaft!

Teenager lernen teilweise, wie man Dinge berechnet, die online kostenlos erledigt werden können.

 

Dennoch ist ein Grundwissen sinnvoll.

Natürlich. Ohne von unseren Mathelehrern gelernt zu haben, könnten wir jetzt nicht unsere Finanzpläne machen. Gar keine Frage. Aber der Praxisbezug ist essentiell. Wir sollten doch ausgebildet werden für das Leben und nicht nur für den Abschluss.

Wir Menschen haben die Verantwortung, Dinge zu verändern. Wenn wir denken, etwas ist nicht gut, dann haben wir die Verantwortung und die Pflicht, eine Veränderung zu bringen. Aber alle meckern, dass der Unterricht immer einfacher wird und die Schüler nichts mehr lernen. Wenn man mich als Schüler gefragt hat, was ich mal werden möchte, wusste ich es nicht. Nie.

 

Wie warst du denn als Schüler?

(lacht) Ich war begeisterter von den Dingen außerhalb der Schule, als innerhalb. Das dürfte die beste Beschreibung sein. Mit 16 habe ich angefangen nebenbei in einer Schreinerei zu arbeiten. Im Marketing.

 

Marketing? Als Schüler?

Das kam so, weil ich keinen Bock mehr hatte, das gleiche zu machen, was jeder andere Schüler auch macht, um nebenbei Geld zu verdienen: Pizzabretter schleifen. Also bin ich zu meinem Chef gelaufen und habe gesagt: „Wenn ich dir mehr Umsatz über Online-Marketing bringe, als du jetzt über den lokalen Schreinereibetrieb, darf ich dann im Büro sitzen?“ Dann habe ich mit meinem 450 Euro-Job sieben Channels auf Amazon bedient, alles gut verteilt. Spanien, Italien, etc. und wir haben Pizzabretter in ganz Europa verkauft. Bestimmt habe ich dadurch auch Geld verbrannt, also nicht nur Gewinne gebracht, aber es war eine coole Erfahrung.

 

Worauf seid ihr als Sdui besonders stolz?

In jedem Gespräch, auch mit potenziellen Investoren, werden wir gefragt, ob wir die App selbst entwickelt haben. Tatsächlich haben wir alles von A bis Z selbst entwickelt, nichts ist von extern eingekauft. Bis zum kleinsten Button oder auch die Algorithmen, die für die Schüler alles filtern – es ist aus unserer Hand. Darauf sind wir stolz. Das Gesamtpaket macht´s. Aber ich persönlich bin besonders stolz auf unsere User-Experience in der App. Ich glaube, wir haben die benutzerfreundlichste App, die es in dem Bereich gibt.

 

Was war denn die größte Herausforderung für euch?

Ernstgenommen zu werden. Das ist die größte Herausforderung. Es ist eine tolle Story für die PR und auf Veranstaltungen, wenn du sagst, du kamst mit 19 aus der Schule, hast direkt ein Start-up gegründet und veränderst jetzt Bildung, aber wenn es um fünfstellige Beträge geht, haben die Leute schon mal Bedenken: Oh, die sind aber erst 19!

Wir haben uns bisher bewiesen. Ich wünschte aber, man würde bei Unternehmen mehr darauf schauen, was sie leisten als auf das Alter der Gründer. Durchaus nach dem Motto: Hey, wir geben ihnen eine Chance, zu zeigen, was sie können. Natürlich haben wir jungen Leute keine Million auf dem Konto, aber wir sind sehr gut dafür aufgestellt, was wir tun. Wir haben die Expertise auf unserem Gebiet, weil wir uns seit Jahren mit dem Thema beschäftigen.

Die interne Herausforderung ist Geduld. Wenn man von etwas begeistert ist, möchte man es schnell vorantreiben. Doch vor allem im Bildungssektor ist es kein Sprint, sondern ein Marathon.

 

Man benötigt also Ausdauer.

Ja. Ich erinnere mich noch an die allererste Schule, in die wir gegangen sind, um der Schulleitung unsere App vorzustellen. Wir sprachen gerade mit der Sekretärin, als aus dem Nebenraum der Schulrektor rief: „Schicken Sie die weg! Das brauchen wir nicht!“

 

Wie sieht es denn innerhalb eures Teams aus. Als Freunde ein gemeinsames Unternehmen zu haben, ist vermutlich auch eine Herausforderung, oder?

Das haben wir bisher sehr gut hinbekommen. Wir verbringen viel Zeit miteinander, auch die Mittagspausen. Es wird über alles gesprochen. Wir bezeichnen uns als Sdui-Familie. So behandeln wir uns aber auch. Wir leben hier das Familienleben, unterstützen einander in Bereichen, die einer vielleicht besser kann als der andere. Jeder ist mit jedem auf guter Ebene befreundet.

 

Das hört man von vielen Startups, aber ich glaube nicht, dass es tatsächlich bei allen zutrifft.

Es ist ein cooler Marketingspruch. Ich habe mir von Anfang an gesagt, ich möchte nicht, dass es bei uns nur ein Marketingspruch ist. Ich glaube, jeder aus dem Team hat irgendwann schon mal bei mir auf dem Sofa übernachtet.

 

Ist das die Voraussetzung, um bei euch eingestellt zu werden?

(lacht) Nein, damit möchte ich nur ein Beispiel dafür nennen, dass wir in einem Verhältnis zueinander stehen, in dem wir sagen können: „Jederzeit ist mein Haus offen für dich und auch in meiner Freizeit habe ich Zeit für dich“.

 

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Es ist nichts normal. Angefangen hatten wir ja bei mir zu Hause in der Küche. Manchmal arbeiteten wir bei Starbucks, eigentlich fast überall. Dann hatten wir in Wiesbaden beim Accelerator unser Office. Seit Januar 2018 sind wir im TZK.

Mein normaler Tag ist immer anders. Ich bin kein Frühaufsteher, deshalb bin ich erst so ab neun im Office. Von 9 bis 11 heißt es Mails und Telefonate. Ab dann Termine – übers Mittagessen mit Kooperationspartnern, Gespräche mit der Presse, Bürgermeistern oder anderen wichtigen Personen. Wenn mittags keine derartigen Termine anstehen, verbringen wir unsere Mittagspause als Team gemeinsam. Mir ist wichtig, mit jedem einmal pro Woche ein One-on-one-Gespräch zu führen, um zu wissen, wie es meinen Leuten geht. Jeden Montagmorgen machen wir ein Kick-off-Meeting für alle zusammen. Wir unterscheiden zudem zwischen Product- und People-Team. People bezieht sich auf alles, was mit Kunden und Menschen zu tun hat. Das People-Team macht jeden Morgen von 9 bis 9:30 Uhr ein Meeting, das Product-Team von 8:30 bis 9 Uhr. Und freitags haben wir ein Fuck-Up-Friday-Meeting, in dem wir ganz offen und ehrlich aussprechen, was nicht so gut gelaufen ist.

 

Habt ihr die Ideen zu diesen Meetings durch das Coaching beim Accelerator erhalten?

Das Montagsmeeting ja, aber das Freitagsmeeting war mein Bestreben. Gemeinsam in die Woche zu starten und gemeinsam die Woche zu beenden, ist wichtig. Es ist aber auch wichtig, die Tage nicht mit Meetings voll zu klatschen. Die täglichen Besprechungen morgens dauern 15 bis 30 Minuten, länger wäre schlecht. Wir wollen nicht nur reden, sondern machen.

 

Auf eurer Website steht, dass ihr Leute sucht. Was müssen diejenigen mitbringen?

Wir haben fünf Firmenwerte, die sich an einer Hand erläutern lassen. Der Daumen ist Anerkennung. Das heißt, diese Person muss von uns anerkannt sein, sie muss aber auch Anerkennung bringen. Jemanden mit einem großen Ego brauchen wir hier nicht.

Der Zeigefinger ist Professionalität und Ernsthaftigkeit. Das ist wichtig. Denn hey, wir sind jung und machen auch mal Späße, aber wir sind ernst in dem, was wir tun. Die Person muss also dranbleiben und professionell an den Dingen arbeiten können.

Der Mittelfinger steht für „Fuck the System“. Das heißt, wir brauchen Andersdenker, die Dinge nicht einfach nur tun, wie es schon immer war. Sonst gäbe es keine Veränderungen. Querdenken wird heute gebraucht.

Der Ringfinger steht für Loyalität. Unsere Designer und Programmierer erhalten besser bezahlte Jobangebote, bleiben aber trotzdem hier. Denn in der Familie ist man loyal. Jeder kann jederzeit zu mir kommen und mir ins Gesicht sagen, dass ihm etwas nicht passt.

Der Kleine Finger heißt „Details matter“ und steht dafür, dass man den Fokus auf Details legen sollte, denn sie machen den Unterschied.

Wer bei uns arbeiten möchte, müsste diese Einstellungen teilen.

 

Was beschäftigt euch aktuell besonders intensiv?

Aktuell haben wir neben Sdui, also Sdui Education, auch Sdui Media – eine Agentur, die Websiten erstellt und auch viele andere Medienaufträge bearbeitet. Da arbeiten wir für große Kunden. All das benötigen wir, um die App zu finanzieren.

 

Wie ist eure Beziehung zum Standort Koblenz?

Wir würden sehr gerne hier bleiben. Hier neben dem TZK ist die Uni, in der hauptsächlich Informatik und Lehramtsstudiengänge unterrichtet werden. Informatik und Bildung sind quasi um die Ecke. Außerdem ist das hier eine super Location zum Wohlfühlen. Nicht zuletzt wegen des „Stattstrandes“ vorne. Auch die schöne Altstadt. Koblenz punktet mit vielen weichen Faktoren. Und es ist sehr schön, aus der Heimat heraus Veränderungen zu bewirken.

 

Auf Barcamps sagen mir viele von außerhalb, sie würden gerne in Koblenz leben, aber die coolen Jobs würden hier fehlen.

Bestimmt, weil es hier wenige große Firmen mit genug interessanten, freien Stellen gibt. Aber schau dir die Gebäude gegenüber vom TZK an. Ich bin mir sicher, wenn diese Räume jungen Gründern zur Verfügung stünden, wären sie voll. An engagierten Leuten mit guten Ideen mangelt es hier nicht. Das TZK ist ein Brutkasten und es ist gut, wenn Startups nach einiger Zeit beispielsweise in die Innenstadt umziehen, aber es ist grundsätzlich schwierig in Koblenz entsprechende Räume zu finden. Ab einer gewissen Unternehmensgröße.

 

Was würdet ihr euch für Koblenz wünschen?

Wenn wir eine Startup-Region werden wollen …. Wir sind auf dem Weg dahin. Aber wenn wir uns öffentlich so nennen wollen, brauchen wir nicht nur Startups, die dazu bereit sind, zu wachsen. Sondern auch eine Stadt, die alles dafür gibt, damit sie wachsen können. Ich erhoffe mir Unterstützung aus der Politik und Wirtschaft vor Ort. Es bringt nichts, wenn zwei große Unternehmen eine Kooperation machen, ein kleines Ding gründen und das dann Startup nennen. Das ist gar keins. Startups sind beispielsweise die Leute, die hier von der Uni kommen und gründen.

 

Warum würde Koblenz als Standort von Startups profitieren?

Dann entspringen in der Wirtschaft innovative Unternehmen. Leute wollen dann gerne hierhin ziehen, weil es Firmen gibt, für die sie arbeiten möchten. Jedes Startup verändert irgendwie die Stadt. Allein schon, wenn sie beispielsweise für hiesige Traditionsunternehmen einen hervorragenden Social-Media-Auftritt machen. Davon profitieren also auch alteingesessene Unternehmen. Es lohnt sich als Stadt Startups zu fördern, denn Startups geben immer etwas zurück. Give before you get – dieses alte Prinzip gilt auch heute. Wir benötigen hier mehr Synergien – auch die politische Unterstützung mit einbeziehend. Ebenso sollten Universität und Hochschule intensiv daran mitwirken. Erste Schritte, wie das Gründerbüro, sind zwar gemacht, aber es muss mehr geschehen. Aktive Unterstützung fehlt. Was wir in Koblenz ganz klar zu wenig haben ist „Entrepreneur in Residence“. Darunter versteht man einen jungen Studenten oder Absolventen, der sich bei einem Startup hinsetzt und dort das Gründen lernt, indem er die Prozesse mitverfolgt. In gewisser Weise ist er vom Job ähnlich wie ein Business-Developer.

Übrigens sollte es auch zwischen Startups mehr Kollaborationen geben. Da muss man sich selbst an die Nase packen.

Als wir neu ins TZK kamen, statteten uns einige aus den anderen Startups einen Besuch ab und stellten sich vor. Das fand ich so toll, dass ich jetzt auch immer hingehe, wenn neue Startups hier einziehen. Eine Kultur des Miteinanders sollte es hier im Gebäude geben. Ich freue mich über alle, mit denen wir das inzwischen haben.

 

Mit welchem Statement würdest du das Gespräch gerne abschließen?

Politiker haben bestimmt kein einfaches Leben. Nicht zuletzt wegen der Digitalisierung, stehen sie vor komplett neuen Herausforderungen, haben aber nur theoretische Lösungsansätze im Gepäck. Wir von Sdui hingegen bieten eine fertige, greifbare Lösung. Deswegen würden wir uns freuen, mit der Politik eine Kooperation eingehen zu können.

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Sdui aus Koblenz revolutioniert die Schulkommunikation

von buerger-kurier.de

Sdui aus Koblenz revolutioniert die Schulkommunikation

 

KOBLENZ – Das junge StartUp Sdui aus Koblenz revolutioniert die Schulkommunikation – Von der analogen Pinnwand zur App – so kann man den Weg zur Gründung von Sdui zusammenfassen. Daniel Zacharias, Mitgründer und Geschäftsführer von Sdui, war in seiner eigenen Schulzeit genervt von schlechter Kommunikation. Da gab es nur einen Weg für den heute 20 Jährigen: Das musste er ändern. Gemeinsam mit zwei Freunden entwickelte er eine App, die es möglich macht, Vertretungspläne, Raumdaten und Schulnachrichten einfach und unkompliziert zu veröffentlichen. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, die Bildung zu verändern. So viele Schulen hängen bei der Digitalisierung hinterher – es fehlt an Fachwissen, Umsetzung und Nutzung neuer Systeme“, erklärt Zacharias. „Hier setzen wir mit Sdui an, indem wir eine einfache Lösung anbieten, die schnell installiert und in Betrieb genommen werden kann.“ Nur eine halbe Stunde brauchen die Techniker, um das System an einer Schule aufzuspielen – und dafür braucht es nur einen Computer und einen Internetzugang. „Wir wollten alles möglichst einfach und benutzerfreundlich, aber trotzdem auf dem neusten Stand der Technik halten“, so der Geschäftsführer. „Deshalb bieten wir Schnittstellen zu gängigen Planungssystemen, die an Schulen im Einsatz sind. Zusammen entwickeln wir uns außerdem stetig weiter. Dabei ist uns Datenschutz besonders wichtig.“ Die App kann daher nicht nur Vertretungspläne und Stundenausfälle per Push-Nachricht an betroffene Schüler senden, sondern auch bei der Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern helfen ganz ohne Plattformen wie WhatsApp. Schon fünf Schulen in der Region konnten die jungen Unternehmer von ihrer App überzeugen, darunter auch das Private Martin-Butzer-Gymnasium in Dierdorf, auf dem sie selbst die Schulbank gedrückt haben. Mit zahlreichen weiteren sind sie im Gespräch – deutschlandweit.

Mit Energie in die Zukunft – Um aus der Schule heraus etwas für Schulen zu entwickeln, braucht es Mut, Know-how und Kontakte. Letztere eigneten sich die damaligen Schüler durch die Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben an. Dreimal waren sie bei Jugend forscht dabei, 2018 konnten sie hier sogar den ersten Platz in der Kategorie Arbeitswelt gewinnen und sich somit für den Landeswettbewerb qualifizieren. Außerdem haben sie mit ihrem Projekt den Start-Up-Slam Koblenz gewonnen – ihr direkter Kontakt auch zur Energieversorgung Mittelrhein. „Wir waren zum ersten Mal beim Start-Up-Slam als Sponsor eines Preises mit dabei“, erklärt Dieter Bohn, Berater bei der evm. „Immer mehr junge Unternehmen bilden sich auch in unserer Region. Die wollen wir aktiv mit unserem Wissen unterstützen.“ Konkret heißt das bei Sdui: Ein Gutschein über 2.000 Frei-Kilowattstunden Strom und eine Aufnahme in das Gründerprogramm der evm. Mit dem neu aufgelegten Programm unterstützt das regionale Energie- und Dienstleistungsunternehmen junge Firmen vor Ort in Sachen Energie. „Viele Unternehmer haben gerade in den ersten Monaten andere Dinge im Kopf als die Energielieferung“, so Bohn. „Das führt am Ende des Jahres oft zu hohen Nachzahlungen, weil die Abschläge nicht mit dem Verbrauch übereinstimmen oder gar mehr Energie verschwendet wird als nötig. Hier bieten wir umfassende Beratungen und stehen in engem Kontakt mit Gründern.“ So auch mit Sdui. „Ich finde es gut, wenn etablierte Firmen wie die evm uns unter die Arme greift“, freut sich Zacharias. „Nur durch ständigen Dialog können wir uns gemeinsam weiterentwickeln und in der Region erfolgreich sein.“

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Sdui – Digitalisierung für Schulen

von rhein-main-startups.com

Sdui – Digitalisierung für Schulen

Heute möchten wir Euch Sdui vorstellen, ein junges Unternehmen, das sich der Digitalisierung für Schulen verschrieben hat. Das Gründerteam ist in jungen Jahren schon sehr engagiert und hat aus eigenen Problemen im Schulalltag eine Lösung entwickelt, die Bildungseinrichtungen nachhaltig verbessern sollen. Aus der eigen programmierten App und einem Jugend forscht Projekt, während der Schulzeit, ist nun ein ernst zunehmendes und innovatives Startup gewachsen.

Das 3-köpfige Team um Jan Micha Kroll hatte in der Schule ein entscheidendes Problem: Informationen kommen nicht richtig beim Schüler an. Immer wieder mussten sie zusehen, wie Kommunikation scheitert. Man kommt morgens in die Schule und erfährt erst dort: Die erste Stunde fällt aus. Man könnte wieder heimfahren, doch ist man erst zuhause, müsste man schon wieder zur Schule zurück. Die Rechnung geht nicht auf – der Tag beginnt mit einer Frustration.

Anderes Szenario: Neues Schuljahr, neuer Lehrer, neuer Raum. Wo muss ich hin? Das klassiche schwarze Brett gibt vielleicht Antwort, doch hängt dieses auf der anderen Seite des Schulhauses. Diese Form der Kommunikation ist weder zeitgemäß, noch effektiv. Es waren solche Kleinigkeiten, die den Schulalltag unnötig mühsam machten und Nerven kosteten. Also entwickelte das Team eine visionäre Problemlösung: Ein digitales Infosystem fürs Handy. Damit Schule wieder die Sprache von Schülern spricht.

Als Teilnehmer bei „Jugend forscht“ fanden sich die Schüler im Dezember 2015 zusammen, um eine mobile App zu entwickeln. Das Ziel: Kommunikation zeitgemäß gestalten. Die Schüler dort erreichen, wo ihre Aufmerksamkeit liegt – damit war Sdui geboren.

An der Partnerschule Martin-Butzer-Gymnasium Dierdorf wurde die App erstmals eingeführt und von über 90% der Schüler auf Anhieb genutzt. Im Februar 2016 erreichte Sdui auf Regionalebene im Koblenzer Raum den 3. Platz in der Kategorie Mathematik/Informatik. Ein weiterer Preis in der Kategorie Arbeitswelt wurde im Frühjahr 2017 gewonnen. Somit war Sdui nicht mehr nur eine Idee – sondern ein Projekt, das Bildung revolutioniert.

Seitdem hat sich ein Team geformt, welches das ehemalige Schulprojekt mit Vision und Leidenschaft weiterführt. Im Winter 2016 schlossen sich Daniel Zacharias, Jan Micha Kroll und René Meyenburg zusammen, um das Unternehmen Sdui offiziell zu gründen. Das Ziel: Schulen ins digitale Zeitalter führen.

Aktuell befindet sich Sdui im Markteintritt im Rhein-Main Gebiet, bei dem schon einige Schulleiter Sdui an ihrer Schule nutzen wollen. Kürzlich wurde ein weiterer Pitch-Wettbewerb in Solingen gewonnen. Aus über 25 Teilnehmen konnte sich Sdui als vielversprechendstes Start up durchsetzen und einige Preise gewinnen.

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ISB investiert sechsstelligen Betrag in Sdui

von deutsche-startups.de

Messenger-App Sdui bekommt Kohle

Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz investiert einen sechsstelligen Betrag in das Koblenzer Startup Sdui. Das 2017 aus dem Projekt Jugend forscht entstandene und von Daniel Zacharias gegründete Startup bietet eine Messenger-App für Schulen, die die Kommunikation zwischen Eltern, Schülern und Lehrern verbessert. Gleichzeitig kann sie als datensicherer Ersatz für andere Messenger-Apps auf dem Smartphone verwendet werden.

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Teamwork makes the dream work

Ein Interview von startupvalley, Sabine Elsässer

Stellen Sie sich und das Startup Sdui doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Daniel Zacharias, ich bin 20 Jahre jung und bin einer der Gründer von Sdui.

Sdui ist aus einem Schulprojekt, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kommunikation in der Schule zu verbessern, heraus entstanden. Nachdem die Entwickler an Jugendforscht, sowie an anderen Wettbewerben erfolgreich teilgenommen haben, haben wir uns entschlossen, nicht zu studieren, oder das angefangene Studium hinter uns zu lassen und direkt ein Unternehmen ins Leben zu rufen. Hauptsächlich mit dem Gedanken, dass wir nichts zu verlieren haben, wenn wir so früh anfangen. Vor ungefähr einem Jahr wurde das Unternehmen dann gegründet und seitdem haben wir fast über 20.000 Schüler und Lehrer von unserem Produkt begeistern können.

Wie ist die Idee zu Sdui entstanden?

In der Schule hat es uns immer gestört, dass man die neuen Kommunikationswege nicht offiziell nutzen darf und konnte. Jeder Schüler hatte viele verschiedene Accounts bei allen möglichen Clouddiensten wie Dropbox, iCloud oder Google Drive. Wir als Schüler haben irgendwann den Durchblick verloren und dachten uns, dass kann so nicht weitergehen. Wir wünschten uns eine Plattform, auf der man die wichtigsten Informationen bekommt, über seinen Tagesablauf Bescheid weiß und Dokumente teilen kann. Genau das haben wir dann gemacht.

Welche Vision steckt hinter Sdui?

Unsere Vision ist es, das Schulleben einfacher und vor allem attraktiver zu machen. Es darf unserer Meinung nach einfach nicht sein, dass ein Großteil der wertvollen Zeit von Lehrern, Schülern und Eltern für unnötig komplizierte Verwaltungsakte verschwendet wird. Wir möchten den Grundstein für Digitalisierung in Schulen legen und so Bildung besser machen.

„Wir möchten Schulen dabei unterstützen, einen Schritt in die Zukunft zu gehen. Und wir stehen dabei noch ganz am Anfang.“

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Dadurch, dass wir uns versuchen in einem relativ innovationsfeindlichen Bereich zu etablieren, ist es eine Herausforderung, die Menschen davon zu überzeugen, dass wir Ihnen einen tatsächlichen Mehrwert bieten.

Ohne Studium und Ausbildung, direkt nach dem Abitur gegründet, ist es manchmal schwer seine „Können“ zu beweisen. Im Vorhinein zu überzeugen, dass man das was man tut auch wirklich kann. Wir mussten uns immer wieder sagen: „Dran bleiben“, „nicht auf die hören“. So haben wir es geschafft, uns durch immer mehr Referenzen Integrität zu erarbeiten. Und so haben wir es ebenfalls geschafft einen mittleren 6-stelligen Betrag als Finanzierung einzusammeln.

Wer ist die Zielgruppe von Sdui?

Die Zielgruppe von Sdui sind momentan alle Schulen in Deutschland. An jeder Schule kann Sdui zu einer reibungslosen Kommunikation beitragen und dabei helfen, Zeit sinnvoller als für Aushänge am Schwarzen Brett oder für das Kopieren und Ausdrucken von Dokumenten zu verwenden. Das Beste daran ist, dass funktioniert für jede Schule egal welche Technischen Vorraussetzungen geben sind.

Wie funktioniert Sdui?

Sdui funktioniert als eine Software-as-a-Service Lösung – falls in Bereichen der Wirtschaft total typisch ist, aber für Schulen Neuland bedeutet. Um Sdui in einem Satz zu erklären, erzählen wir unseren Partnern immer: „Im Prinzip funktioniert Sdui so, dass wir durch Schnittstellen mit diversen Programmen ganz automatisch Daten von der Schule übermittelt bekommen, diese dann auf unseren Servern in Frankfurt verarbeiten und dann über unsere Hybrid-App (Website und App in einem) individualisiert anzeigen können plus natürlich die Funktionalität wie Messenger die man in unser App findet. Damit Nutzer direkt informiert sind, bekommen Sie bei einer Neuigkeit, Stunden- oder Vertretungsplanänderung eine Push-Benachrichtigung direkt auf Ihr Smartphone.

Den Effekt, den wir dabei erzielen wollen: „Weniger Verwaltungsstress und mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dingen.“

Welche Vorteile bietet Sdui? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Der größte Vorteil den wir bieten ist, dass alle Informationen, alle Möglichkeiten und Funktionen an einem Ort gebündelt werden. Wir möchten zum Beispiel keine Lernplattform ersetzen, aber wir möchten sie einfach zugänglich machen, indem der Nutzer Über Sdui einfach dorthin gelangt, wo er hinmuss. Ein weiterer Vorteil ist, wie eben gesagt, dass wir einfach an bestehende Systeme und Programme anknüpfen. Die Schule und deren Verwaltung muss sich nicht umgewöhnen.

Sdui, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ziel ist es, den Bildungsmarkt zu erobern. In den nächsten fünf Jahren möchten wir Marktführer sein. Wir möchten DAS Tool für Kommunikation in Schule und Hochschule sein. Wenn es gut läuft, würden wir gerne in andere Europäische Länder expandieren und auch dort die Schulkultur zukunftsorientierter gestalten. Denn durch Kommunikation wird Bildung erst möglich.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Der erste Tipp ist „Teamwork makes the dream work.” Ich denke man versucht zu oft im Leben Dinge alleine auf die Beine zu stellen, aber mit einem Team, das die Idee mitträgt, ist man erfolgreicher.

Der zweite Tipp von mir für angehende Gründer ist es, einfach zu machen und anzufangen. Ich habe das Gefühl man träumt viel zu oft und macht sich zu viele Gedanken über Risiken oder Gefahren die auf einen Lauern, wenn man einen Schritt ins ungewisse wagt. Dabei vergessen wir oft, dass im Ungewissen auch Glück, Erfolg und Spaß liegen können. Viel zu viele Ideen haben es nicht über das Notizbuch hinausgeschafft, weil wir uns nicht genug zugetraut haben. Also: Ideen wollen umgesetzt werden, und das genau ist der Job eines Gründers!

Sich offen für neue Ideen und neue Möglichkeiten zu halten, ist mein dritter Tipp. Als Gründer habe ich feststellen dürfen, dass man, wenn man nicht offen für Veränderung und Innovation ist, ganz schnell am Boden bleibt. Bewahrt man sich ein waches Auge und einen wachen Geist, hingegen, wird man von den Inspirationen, den Ideen geradezu in die Luft gehoben.

Wir bedanken uns bei Daniel Zacharias für das Interview

Raus aus der Kreidezeit

https://www.swr.de/landesschau-rp/start-up-nach-dem-abi-stundenplan-app-macht-schule/-/id=122144/did=21563112/nid=122144/zgaysp/index.html

Junge Gründer mit überzeugenden Ideen

von business-on.de, Liane Rapp (editiert)

Der Start-up-Wettbewerb „Berg-Pitch“ demonstriert eindrucksvoll, wie aus Jugend forscht-Gewinnern in nullkommanix erfolgreiche Unternehmer werden können.

Ganz schön aufregend, wenn man als 19Jähriger vor rund 200 Leuten, darunter erfolgreiche Unternehmer und kritische Jurymitglieder, steht und genau acht Minuten Zeit hat, um seine Geschäftsidee überzeugend zu präsentieren. Andererseits: Was hast du zu verlieren? Und, was, wenn das Preisgeld von 4000 Euro für den 1. Preis an dich und deine Kumpels geht?!

So oder ähnlich müssen sich Daniel Zacharias und seine drei Mitstreiter aus Koblenz während ihres Auftritts beim „3. Berg-Pitch“ am Dienstagabend in Solingen gefühlt haben. Denn nur eins der sechs Finalteams konnte die begehrte Urkunde plus Preisgeld mit nach Hause nehmen.

 

Networking für Jungunternehmer und „alte Hasen“

Schließlich geht es bei diesem größten öffentlichen Startup-Pitch im Bergischen Land darum, neue Ideen zu fördern, Jungunternehmer untereinander und Wirtschaftsförderung Solingenmit „Alteingesessenen“ zu vernetzen und ganz nebenbei gute Ideen auch am Standort Solingen/Bergisches Land zu bündeln. Initiiert wird der Wettbewerb vom coworkit – Coworking Spacesowie der Wirtschaftsförderung Solingen  in Kooperation mit der codecentric AG in Solingen-Ohligs, wo das Event nun schon zum dritten Mal stattfand.

Ein „International Business Center“ für Solingen

Solingens Oberbürgermeister verfolgte den Wettbewerb mit großem Interesse und übernahm am Ende zusammen mit der Solinger Fußballgröße Christoph Kramer persönlich die Preisübergabe. Tim Kurzbach: „Wir als Stadt strecken die Hand aus, auch und besonders jungen Start-ups, die mit Esprit und innovativen Ideen Neues schaffen. Aber natürlich auch den etablierten Unternehmern, die Veränderung vorantreiben.“ Er wies darauf hin, dass in Bälde in Solingen ein „International Business Center“ gegründet werden solle, nannte aber keine Details.

Als Gewinner des Abends aber ging das Team von „Sdui“ vom Platz. Ihre App, mit der die Schulorganisation erleichtert werden soll, hatte sowohl Fachjury als auch Publikum überzeugt. Das junge Unternehmen wirbt mit „zeitgemäßer Kommunikation zwischen Schule und Schüler – direkt auf dem Smartphone“ und „mit Blick auf die Zukunft“ versteht es sich als „Marktführer im Bereich der Kommunikation in Bildungseinrichtungen“. Die Siegprämie von 4000 Euro wolle man für den „weiteren Ausbau nutzen“, so der 19jährige Daniel Zacharias stolz.

 

Der 3. Berg-Pitch – ein voller Erfolg

Stolz war auch „Berg-Pitch“-Initiator Sven Wagner von „coworkit“, das seinen Sitz im Gründer- und Technologiezentrum in der Solinger City hat: „Das war ein voller Erfolg – die Zahl der teilnehmenden Start-ups steigt stetig, die Preisgelder steigen, wir haben neue Partner am Start und unsere Fachjury ist hochkarätig besetzt.“

Zum nächsten Berg-Pitch kann man sich ab Frühjahr 2018 sowohl als Teilnehmer als auch als Gast wieder unter https://coworkit.de/berg-pitch/ anmelden.

Solingens Bundesliga-Fußballer Christoph Kramer, der ursprünglich nur für die Preisübergabe gekommen war, nutzte die Gunst der Stunde und stellte zusammen mit seinem Geschäftspartner Stefan Grummel kurz das gemeinsame Unternehmen „Trixitt“ vor. Ziel der 2013 gegründeten Firma mit Sitz in Bochum ist, Sport-Events wie Bundesjugendspielen einen modernen Anstrich zu geben, sie attraktiver zu gestalten. Dabei geht es den Machern vor allem um Fairness und Teamgeist und – klar – Bewegung.

 

Foto: Liane Rapp

Ministerpräsidentin besucht Sdui

Menschenmengen strömen durch den „Skywalk“, den Glastunnel, der den Bahnhof Hannover Messe mit dem Gelände der Deutschen Messe verbindet. Die CEBIT ist der Anlass, weshalb Züge, Hotels und Flugzeuge komplett ausgebucht und Autobahnen überfüllt sind.
CEBIT, Europas größte Messe für Digitalisierung und Technik; Hier findet man die neuesten technischen Errungenschaften. Auch wir haben unseren Messestand eingepackt und uns am Montag, den 11.06. auf den Weg nach Hannover gemacht. Wir durften neben selbstfahrenden Autos, interagierenden Robotern und VR-Rollercoaster-Simulatoren zeigen, moderne Digitalisierung im Bildungsbereich aussehen kann.
Daniel Zacharias, Geschäftsführer von Sdui mit Malu Dreyer, Ministerpräsidentin RLP & stellv. SPD-Vorsitzenden
 
Ein großes Highlight für uns war der Besuch der rheinlandpfälzischen Ministerpräsidentin und stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Malu Dreyer. Zusammen mit ihren Kollegen aus dem Bildungsministerium, William Lindlahr und Benjamin Stingl, besuchte uns die SPD-Politikerin am dritten Tag des „Business-Festivals“. Sdui-CEO Daniel Zacharias stellte den Politikern das System vor und beantwortete interessierte Rückfragen. „Unser Konzept ist es, eine App zu bieten, die einen Dschungel an Software ersetzt und dabei so einfach ist, dass jeder damit zurechtkommt.“ Die Delegation des Bildungsministeriums war begeistert; Genau solche Lösungen brauche es, um Digitalisierung in Schulen voranzubringen – einfach und universell. Wir verblieben mit der Aussicht auf landesweite Zusammenarbeit und stehen seit der Messe weiterhin im Austausch.
 
 
Auch an den übrigen Tagen hatten wir tolle Gespräche mit faszinierten Besuchern: Darunter Lehrer, IT-Firmen und Politiker der kommunalen Ebene. Gegen Abend, wenn die Messe offiziell endet, verwandelt sich der Außenbereich in ein Konzertgelände. Auf einer riesigen Bühne spielen zum Beispiel Mando Diao und Jan Delay ihre neuesten Songs. Auch das SAP-Riesenrad, der IBM-Cloudrider und die Vodafone-Pavillions lassen die CEBIT wie ein Volksfest wirken, auf dem man nicht nur arbeiten, sondern auch feiern darf.
 
Unser persönlicher Favorit waren die interaktiven Roboter von Fraunhofer und IBM, welche nicht nur das Wetter vorhersagen, sondern einem sogar die Hand schütteln und Blickkontakt suchen. Vielleicht gibt es ja bald auch Sdui-Roboter, die neue Schülerinnen und Schüler am ersten Schultag ins Klassenzimmer begleiten und bei den Hausaufgaben helfen? Wer weiß… Aber erstmal fokussieren wir uns weiterhin auf das, was auf Europas größter Messe für Digitalisierung so gut ankam: Schulkommunikation einfach auf dem Handy.
 
 
Fotos:  Sophie-Charlotte Bolinski / Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie

Von der analogen Schulpinnwand zur App

von blick-aktuell.de

4. Startup Slam am Eck in Koblenz

Koblenz. Am vorletzten Samstag ging es für vier Teams in jeweils sechs Minuten wieder um alles. Bereits zum vierten Mal wurde der Startup Slam im Circus Maximus von der Startup League und organisiert durch den IT.Stadt Koblenz e V. durchgeführt.

Es traten vier vielsprechende und innovative Teams auf, die sich im Vorausscheid bereits gegen andere Ideen durchgesetzt hatten. Es wurden das Konzept und der Businessplan von einer fachkundigen Jury genauestens unter die Lupe genommen. Angetreten sind auf der Bühne das Team von „Pick & Dine“ (eine App-Lösung für Restaurantreservierungen), der Gründer von BS2 Sicherheitssysteme (Gebäude- und Betonkontrollsysteme), der Gründer von Virtual Keyboard René Dünnes und natürlich auch das Gewinnerteam mit dem Gründer Daniel Zacharias von Sdui UG, einer Lösung für Schulen, um den Vertretungsplan aktuell und digital anzuzeigen und die Schüler zeitnah zu informieren.

Mit einem äußerst unterhaltsamen Vortrag konnte das Team die Jury und das Publikum überzeugen und darf sich nun unter anderem über Prämien wie 2.500 Euro Starthilfe, ein mietfreies Büro für drei Monate sowie Beratungsleistungen des Netzwerks und weiterer Experten im Wert von 10.000 Euro freuen.

Unter riesigem Beifall nahmen die Gewinner ihren Preis entgegen: „Unser Firmensitz wird bald im Technologie-Zentrum Koblenz eröffnet. Weswegen wir uns auch besonders freuen, dass offiziell mit euch am Startup Slam in Koblenz im Circus Maximus zu feiern. Denn der Sieg zeigt nicht nur, dass die Idee gut ankommt, sondern auch dank der großartigen Unterstützung des Publikums haben wir hier heute gewonnen“, so Gründer und CEO Daniel Zacharias.

 

Verhandlungen mit 50 potenziellen Partnern

Die ehemaligen Schüler des Martin-Butzer-Gymnasiums Dierdorf sind auf ihre Idee gekommen, nachdem sie festgestellt haben, dass die Pinnwand immer noch analog geführt wird und man keinen Überblick hat über kurzfristige Änderungen. So wurde die App-Lösung Sdui ins Leben gerufen, die über Push-Benachrichtigungen die Schüler direkt informiert. Mittlerweile wird die App schon erfolgreich eingesetzt, und das Team um Sdui ist aktuell mit 50 anderen Schulen, Hochschulen und Universitäten im Gespräch.

Veranstaltungen wie der Startup Slam sind von großer Bedeutung für die Region, was man auch an der steigenden Anzahl an Teilnehmern von Jahr zu Jahr ablesen kann.

Um die Wichtigkeit der Förderung von Startups in Rheinland-Pfalz ging es auch im Jurytalk mit Stephanie Rausch, Projektleitung des Referats „Medien und Digitales“ der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Holger Weißhaupt von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), Prof. Dr. Christoph Hienerth, Jan Hagge, Geschäftsführer des Technologie-Zentrums Koblenz und Markus Maron, Geschäftsführer von wizAI solutions und IT.Stadt Koblenz.

 

Vernetzung als wesentliche Voraussetzung für Erfolg

Für den Vorstandsvorsitzenden des IT.Stadt Koblenz e.V., Prof. Dr. Ulrich Furbach, stand vor allem das Netzwerken im Vordergrund. „Jedes Unternehmen braucht eine gute Vernetzung, um erfolgreich zu sein. Gerade für Gründer kann dies am Anfang schwierig sein, und aus diesem Grund freuen wir uns, den jungen Unternehmen die Chance zu geben, ihr Netzwerk auszuweiten und sich besser zu verknüpfen.“ Beim anschließenden Get-together wurde dann auch nicht nur gefeiert, sondern auch fleißig „genetzwerkt“ und sich ausgetauscht.

 

Foto: Henry Tornow/IT.Stadt Koblenz

Raus aus der Kreidezeit

Von Helmut Martin-Jung

Die Welt wird digital, doch Schüler und Lehrer merken das noch kaum. Es mangelt den Schulen an der Ausstattung, vor allem aber fehlt ein ordentliches Digitalkonzept für den Unterricht.

 

Um den Job eines Bildungsministers musste man noch nie jemanden beneiden. Geboten wird der Kontakt zu vielen unterschiedlichen Interessensgruppen, und immer ist zu wenig Geld da. Doch es kann noch schlimmer kommen. Denn die Kultusminister und -ministerinnen der Länder wie ihre Kollegin Johanna Wanka im Bund sehen sich heute einer weiteren Herausforderung gegenüber: Die Welt digitalisiert sich. Die Schüler müssten auf diesen Kulturwandel, diese neue industrielle Revolution vorbereitet werden – doch das deutsche Bildungssystem ist dabei, dieses Thema grandios zu versemmeln.

Liebe Kultusminister, kommen Sie jetzt bloß nicht mit einer Ihrer Musterschulen! Klar, die gibt es. Schulen, an denen wenigstens zu einem gewissen Teil schon gelebt wird, was eigentlich längst Standard sein müsste. Meist beruht das auf Eigenleistung der Schulleitung oder engagierter Lehrkräfte. Aber das zählt nicht, kann nicht zählen, denn die Digitalisierung betrifft jeden. So aber, wie das Bildungssystem in der Breite damit umgeht, bleibt es im Wesentlichen den Schülern selbst, ihren Eltern und einigen privaten Initiativen überlassen, die riesige Lücke zu füllen, die da klafft.

Nur, woran liegt das, woran fehlt es eigentlich?

Die meisten denken als erstes an die Ausstattung der Schulen. Und ja, damit sieht es in den meisten Fällen schlimm aus. Mal geht das Wlan, dann geht es wieder nicht – wenn es denn überhaupt eines gibt in der Schule. Die Computer: Nicht selten sind es ohnehin solche, die anderswo schon ausgemustert wurden; und nach ein paar Jahren ist eben auch ein neu gekaufter Rechner den ansteigenden Anforderungen nur noch bedingt gewachsen.

 

Dass die Milliarden vorerst nicht fließen, könnte ein Segen sein

Und dann gibt es den forschen Landrat, der mal eben schnell für alle seine Schulen interaktive Whiteboards bestellt, leider ohne vorher mal bei den Schulleitern vorstellig zu werden. Weshalb viele der teuren Dinger nun in Kellern vor sich hin gammeln. Oder der IT-Fuzzi einer Stadt entscheidet mal eben, welche Systeme für die Schulen der Kommune gekauft werden. Während Firmen dafür eine eigene Abteilung haben, die sich um den Gerätepark kümmert, bleibt es in den Schulen oft genug der Eigeninitiative von Lehrerinnen und Lehrern überlassen, die unvermittelt über sie gekommenen Computer und das Schulnetzwerk zu warten – was sie nicht selten in ihrer Freizeit machen müssen.

 

Digitaloffensive? Im Moment ist alles offen

Die technische Ausstattung zu verbessern, ist vor allem eine Frage des Geldes. Daran sollte es eigentlich nicht fehlen, und es kam auch ziemlich gut an, als Bundesbildungsministerin Wanka eine fünf Milliarden Euro schwere Digital-Bildungsoffensive des Bundes ankündigte. Nur hatte sie sich ganz offenbar nicht mit ihrem Kollegen vom Finanzressort abgesprochen. Nun also wird das Geld frühestens nach der Wahl freigegeben werden. Wie viel genau aber und wann es wirklich fließt – im Moment ist das alles offen.

Vielleicht ist das aber auch ein Segen. Denn das wirkliche Problem liegt ja woanders. Es gibt einfach zu wenige didaktischen Konzepte, wie die Kinder auf die digitalisierte Welt vorbereitet werden sollen. Die aber wären die Voraussetzung dafür zu entscheiden, welche Ausstattung die Schulen bräuchten. Und natürlich müssten auch die Lehrer dementsprechend ausgebildet werden.

 

Es darf an Schulen keine digitale Spaltung geben

Noch aber steht Digitalisierung kaum auf dem Plan. Klar, die Lehramtsanwärter von heute wachsen anders als die Vorgänger-Generation mit dem Internet auf. Sie haben selber ein Interesse daran, ihr Arbeitsleben nicht ausschließlich mit der Kreide in der Hand und dem Overhead-Projektor auf dem Pult zu verbringen, während die meisten ihrer Schüler ein Smartphone im Schulranzen haben. Aber es kann nicht ernsthaft den Lehrern überlassen bleiben, selbst die didaktischen Konzepte dafür zu entwickeln.

Es ist zwar schön, wenn die Schüler auf hübschen iPads herum wischen und schnieke Laptops herumtragen. Wie man programmiert, kann man allerdings an Billig-Computern wie dem Raspberry Pi für 35 Euro das Stück oder dem kleinen Bastelcomputer Calliope genauso lernen. Und kaum etwas wäre schlimmer, als schon in der Schule eine neue Form der digitalen Spaltung zuzulassen. Die Eltern im, sagen wir: Münchner Süden oder im Taunus hätten mehrheitlich kein Problem damit, ihren Kindern 1000-Euro-iPads zu kaufen. Eltern in ärmeren Regionen aber sehr wohl.

Das Calliope-Projekt ist eine Initiative, die von der deutschen Internetbotschafterin bei der EU, Gesche Joost, angeführt wird. Dank Sponsoren wie Google wird die sternförmige Minirechner-Platine sogar an Schulen verschenkt. Nun kann man fragen, ob es denn nicht ein Problem ist, wenn der mächtige Datensammler Google nun auch noch auf Grundschulkinder losgelassen wird. Man kennt ja das Prinzip: Catch them young, fange sie ein, wenn sie noch jung sind. Was sind schon ein paar Millionen Euro für einen Konzern, der in einem einzigen Vierteljahr gut drei Milliarden Euro Gewinn macht? Und das wohlgemerkt nach Abzug einer Rückstellung von 2,42 Milliarden Euro für die Strafe, die die EU dem Unternehmen wegen Behinderung des Wettbewerbs aufgebrummt hat.

Google betont, dass die Kinder weder einen Google-Zugang bräuchten, noch Daten über sie gesammelt würde. Auch Microsoft sucht seine Chance im Bildungsmarkt, verschenkt Software an Studenten zumindest technischer Studiengänge. Vor Kurzem hat das Unternehmen auch einen Laptop herausgebracht, der sich an Bildungseinrichtungen wendet. Da stecken Interessen dahinter, aber zu einem Teil ist es sicher nicht gelogen, wenn die Unternehmen sagen, bei der Unterstützung für Schulprojekte denke man vor allem an den eigenen Nachwuchs. IT-Spezialisten sind heute schon gesucht, künftig aber werden eher noch mehr davon gebraucht werden.

Also, Türen auf für Intel, Google, Microsoft, Apple und all die anderen? Vorsicht! Es kann nicht das Ziel sein, den Nachwuchs schon im Kindergartenalter mit Hard- und Software der Elektronikkonzerne zwangszubeglücken, ohne dass dahinter ein vernünftiges pädagogisches Konzept steht. Ein solches Konzept müsste vor allem drei Forderungen erfüllen.

Erstens: Um nicht zu bloßen Konsumenten digitaler Techniken zu werden, braucht es ein Grundverständnis davon, wie sie funktionieren. Und zwar nicht nur ein theoretisches. Wer selbst gelernt hat, Programme zu schreiben, oder wenigstens eine Ahnung davon hat, versteht viel eher, wo die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technik liegen.

Gerade in Deutschland aber gibt es eine meist eher diffuse Furcht vor allem Technischen. Anstatt einfach mal etwas auszuprobieren, werden immer erst die Risiken in den Vordergrund gestellt. Natürlich müssen nicht alle alles mitmachen und gutheißen, natürlich ist gesunde Skepsis angebracht. Aber neue Technik erst mal abzulehnen, weil man sie nicht kennt, ist nicht die beste aller Herangehensweisen in einer Welt, die mehr und mehr von Technik beherrscht wird. Je mehr junge Menschen, vor allem auch Mädchen, begreifen, dass das alles kein Hexenwerk ist, sondern sogar Spaß machen kann, umso besser.

 

Jedes Bundesland geht seinen eigenen Weg

Zweitens: Das Internet ist wie vor ihm Rundfunk und Fernsehen als gigantische Chance begrüßt worden. Es gibt gute Sendungen im Radio und TV, es gibt gute, seriös recherchierte Informationen im Netz – unnützer Schrott bis hin zur gezielten Desinformation überwiegen aber. Die Schule muss viel intensiver als bisher dazu beitragen, Maßstäbe zu formen, damit vor allem junge Menschen sich selbst ein Urteil bilden können.

 

Auch viele Eltern bräuchten Nachhilfe in digitaler Bildung

Drittens: Die Schulen könnten erheblich davon profitieren, wenn sie digitale Arbeitsweisen integrieren würden. Doch es fehlt eben an allen Ecken und Enden. Die technische Ausstattung ist meist mangelhaft. Mehr noch aber fehlen abgestimmte Konzepte, wie Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte organisiert werden sollen, welche digitalen Elemente man wie im Unterricht einsetzen will, wo die Daten denn gespeichert werden und wer sich darum kümmert, dass diese Daten auch sicher sind. Auch viele Eltern bräuchten Nachhilfe in digitaler Bildung.

Das alles ist im Wesentlichen Konsens in der Politik. Doch was passiert? Jedes Bundesland geht seinen eigenen Weg, als wäre Digitalisierung etwas, das sich nach den Grenzen deutscher Länder richtet. Das Projekt Digitalisierung böte die Chance für die Bildungspolitiker, wenigstens einmal über ihren Schatten zu springen, um ein bundesweit einheitliches Programm zu entwickeln, das den oben skizzierten Aufgaben halbwegs gerecht wird. Bildungs-Kleinstaaterei hält hier nur auf – wobei man sich überhaupt fragen könnte, wo eigentlich der Vorteil von 16 Länder-Kultusbehörden und einem Bundesministerium liegen soll. Wer mit schulpflichtigen Kindern schon mal in ein anderes Bundesland umgezogen ist, hat dazu wahrscheinlich auch eine Meinung.

Da die digitale Bildung ohnehin neu konzipiert werden muss, könnte man doch wenigstens versuchen, sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Und da das Geld auch in Zeiten der Steuerüberschüsse immer knapp sein wird, würde es sich anbieten, die Unternehmen so einzubinden, dass beide Seiten davon profitieren. Die Unternehmen, indem der Staat endlich seiner Aufgabe gerecht wird, die Schüler für deren Zukunft bestmöglich auszubilden und so auch mehr junge Leute fit macht für IT-getriebene Berufe. Der Staat, indem er von den Unternehmen finanziell und mit Know-how dabei unterstützt wird, diese Aufgabe zu leisten. Dazu muss er den rechtlichen Rahmen setzen sowie fürs didaktische Konzept und für sinnvoll austarierten Datenschutz sorgen.

Die Politik sollte also mit Hochdruck an einem digitalen Bildungskonzept arbeiten, sollte dann mindestens die versprochenen fünf Milliarden Euro freigeben und zusätzlich mit den Unternehmen einen digitalen Bildungspakt schließen, um der Initiative noch mehr Durchschlagskraft zu verleihen.

Es würde sich lohnen. Jedes Schuljahr, in dem wieder so gut wie nichts passiert, ist ein verlorener Jahrgang.

Schüler entwickeln App für Schulen

Von Mathias Gubo, Wiesbadener Tagblatt

WIESBADEN, STADT – Daniel Zacharias erinnert sich noch genau an diesen Dienstagmorgen: Wie immer musste er früh aufstehen, um pünktlich zum Bus zu kommen und in 30 Minuten zum Martin-Butzer-Gymnasium in Dierdorf geschaukelt zu werden. Dort angekommen, erwartete den angehenden Abiturienten ein Anschlag am Schwarzen Brett: Die ersten beiden Schulstunden fallen aus! „Das sind zwei verschwendete Stunden meines Lebens“, kann sich der 19-Jährige heute noch darüber ärgern. Doch gleichzeitig war es der Auslöser für Sdui, eine App zur zeitgemäßen Kommunikation zwischen Schule und Schüler.

 

Effiziente, stressfreie und kostengünstige Lösung

Zusammen mit seinen Freunden Jan-Micha Kroll (18) und René Meyenburg (18) machten sie sich an die Programmierung einer App als effiziente, stressfreie und kostengünstige Lösung für die Verwaltung und Kommunikation in Bildungseinrichtungen. Frei nach dem inzwischen kreierten Werbeslogan: „Ist es nicht traurig, wenn Schüler den Aktienmarkt in Shanghai auf dem Handy sehen können – aber ihren Stundenplan nicht?“. Die Schwarzen Bretter an jeder Schule ähnelten einem Dschungel. Dort die jeweils richtige Information zu finden, sei eher Zufall, sagt Zacharias. Dabei habe heutzutage jeder junge Mensch ein Handy in seiner Tasche. Aus Sicht der drei jugendlichen Firmengründer das beste Instrument, um nicht durch schlechte Organisation in der Schule zu scheitern.

 

Sdui soll die Verbindung zwischen Schülern, Lehrern und Schule sichern helfen. Neuigkeiten aus der Schule können damit ebenso verbreitet werden wie der Stundenplan oder Änderungen, der Vertretungsplan oder Dokumente, Hausaufgaben zum Beispiel. Alle Informationen seien streng personalisiert, der Datenschutz gewährleistet, versichert der 19-Jährige.

Die drei jungen Leute als Computergenies zu bezeichnen, scheint nicht ganz falsch zu sein. Mit Sdui haben sie inzwischen zwei Start-up-Wettbewerbe gewonnen, auch bei „Jugend forscht“ waren sie erfolgreich. Nach Gründung ihrer Firma ist es ihnen inzwischen gelungen, Sdui am Martin-Butzer-Gymnasium in Dierdorf zu etablieren. Dort nutzen 1423 Schüler, das sind 93 Prozent der gesamten Schülerschaft, die App.

Doch wie schaffen es ein fertiger Abiturient, ein Gymnasiast kurz vor dem Abitur und ein Auszubildender, mit einer guten Idee auch Geld zu verdienen? Im vergangenen Herbst wurden die Sdui-Erfinder von Pando Ventures in Taunusstein-Neuhof aus mehr als 100 Bewerbern ausgesucht. Die ebenfalls noch jungen Gründer von Pando Ventures haben es sich zum Ziel gemacht, andere aussichtsreiche Start-ups zu unterstützen. „Diese tolle Idee hat Potenzial, wir helfen beim Markteintritt und der Strategie“, verdeutlicht Maximilian Gollner, der Sdui betreut.

 

Wiesbadener Oberbürgermeister war begeistert

Inzwischen hat man Kontakt zu mehr als 90 Schulen im Rhein-Main-Gebiet und weiteren Bundesländern. Der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich habe sich bei einer Vorführung von der App begeistert gezeigt, berichtet Zacharias. Ziel sei es, in diesem Frühjahr die ersten Verträge mit Schulen abzuschließen und somit auch Geld zu verdienen. Die Installation der Software sei in vier Stunden erledigt, versichern die jungen Macher. Die App sei selbsterklärend, man brauche also keine Schulungen. Zudem sei sie mit allen vorhandenen Systemen kombinierbar. Kosten gibt es nur für die Schulen. Das hängt von der Zahl der Nutzer und der Nutzungsdauer ab. Sdui soll weniger als zwei Euro pro Nutzer pro Jahr kosten.

Wenn alles klappt, dann wollen die Sdui-Gründer in diesem Jahr einen Umsatz von mindestens 180 000 Euro machen. Maximilian Gollner ist zuversichtlich, da die App doch „die erste Software ist, die die Probleme aus Sicht der Schüler löst“. Das habe Marktpotenzial. Zudem sei Sdui einfach zu bedienen, „selbst Musiklehrer kommen damit klar“, ist Zacharias überzeugt. Gleichzeitig fügt er selbstbewusst hinzu, dass er und seine Mitstreiter den Anspruch hätten, „die Welt ein Stückchen zu verändern“.

 

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